Sind Sprudeltrinker Masochisten?

Sind Sprudeltrinker Masochisten?

Ein Bekannter von mir kippt sich massenweise „Scharfmacher“ auf sämtliches Essen. Im Restaurant verlangt er immer „das schärfste, was die Küche zu bieten hat“. Chili oder Tabasco reichen kaum, schon eher Chilikonzentrat. Ernährungspsychologe Paul Rozin von der University of Pennsylvenia behauptet jetzt: „Hier ist eine gutartige Form des Masochismus im Spiel.”

Scharfes Essen bringe gesundheitliche Vorteile. Das kann ich mir vorstellen, wählen viele doch scharfes Essen, wenn sie erkältet sind, um „die Krankheit raus zu treiben“. Chili senkt angeblich zudem den Blutdruck, wirkt antibakteriell und vermehrt die Speichelbildung. Aber scharf gewürzte Nahrung löst auch Schmerzen aus, und ich sage bewusst Schmerzen. Die im Chili enthaltene Substanz Capsaicin aktiviert das Hitzegefühl auf den Nervenfasern der Zunge, weshalb übrigens auch im englischen Scharfes als ‘hot’ bezeichnet wird. Das ausgelöste Irritationsgefühl sei mit einem erträglichen Schmerz durchaus vergleichbar, erläutert Molekulargenetiker Maik Behrens vom Institut für Ernährungsforschung. Wer also gern scharf ist, sucht gezielt Schmerzen.

Um den Reiz des Scharfen zu klären, veranstaltete Rozin ein Chili-Testessen. Er steigerte dabei die verabreichte Schärfe allmählich bis zu dem Punkt, an dem seine Versuchspersonen den Schmerz nicht mehr aushielten und aufgaben. Befragt, nach dem besten Schärfegrad, waren sie sich einig: Es war jeweils die für sie höchste noch erträgliche Schärfe.

Noch einen Schritt weiter in der Theorie geht Emily Liman von der University of Southern California. Sie behauptet, das Trinken von prickelnden Getränken wie Limonade oder Sprudel ebenfalls schmerzähnliche Reize auslöse. Kohlensäure aktiviere die gleichen Sinneszellen wie scharfer Senf, Meerrettich oder Chili.

Das wirft für mich diverse Fragen auf: Viele kleine Kinder lieben sprudelnde Getränke. Sind sie dann Minimasochisten? Wenn ich doch jetzt aber nur stilles Wasser mag und auch nicht besonders scharfes Essen mag – bin ich dann ein Weichling, oder was ist das Gegenteil von Masochist? Laut Wikipedia ist das „Gegenstück zum Masochismus der Sadismus“. Hmm …

Foto: Christian Haugen auf Flickr

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Kommentare

1 Kommentar

  1. book of rar

    8. November 2010

    Nun ja, die Sachverhalte können so simpel erscheinen! Danke :)

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8. November 2010

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