Ein Bekannter von mir kippt sich massenweise „Scharfmacher“ auf sämtliches Essen. Im Restaurant verlangt er immer „das schärfste, was die Küche zu bieten hat“. Chili oder Tabasco reichen kaum, schon eher Chilikonzentrat. Ernährungspsychologe Paul Rozin von der University of Pennsylvenia behauptet jetzt: „Hier ist eine gutartige Form des Masochismus im Spiel.”
Wenn ich mittags unterwegs bin und Hunger bekomme, hole ich mir oft schnell eine Kleinigkeit vom Bäcker. Das sollte ich wohl künftig überdenken, nach dem Lesen dieser Studie: Eat Smarter schickte 30 Gebäckproben aus Köln, München und Hamburg in ein Lebensmittellabor und kam zu einem interessanten Schluss: Bäckereien seien unbemerkt zu Fast-Food-Anbietern geworden.
Ich bin verzweifelt, na ja, zumindest beinah. Mein Kind ist nun ein Jahr und die Umwelt drängt: Nix mehr Gläschen, das Kind braucht richtiges Essen! Selbst der Arzt bei der U-Untersuchung fragte mit strengem Unterton: Er isst doch jetzt immer mit vom Tisch, oder? Da blieb mir nur übrig zu nicken und ein gemurmeltes „meistens“ einzuwerfen. Doch das Ganze ist leichter gesagt als getan.
Senf ist total unterschätzt. Dabei ist er ein treuer Begleiter des Homo Culinaris in allen erdenklichen Küchenfragen und eine emotionale Stütze in der postmodernen Welt. Wer bei Senf nur Phantasien von Bockwürstchen, Grillabenden und maximal vielleicht einer Frikadelle bekommt, hat noch nie in unseren Küchenschrank geschaut.
1
Comments
Add