Bäckereien = Fastfood-Anbieter?
Wenn ich mittags unterwegs bin und Hunger bekomme, hole ich mir oft schnell eine Kleinigkeit vom Bäcker. Das sollte ich wohl künftig überdenken, nach dem Lesen dieser Studie: Eat Smarter schickte 30 Gebäckproben aus Köln, München und Hamburg in ein Lebensmittellabor und kam zu einem interessanten Schluss: Bäckereien seien unbemerkt zu Fast-Food-Anbietern geworden.
Sehr viele „Teilchen” beim Bäcker von nebenan seien wahre Kalorienbomben. So bringe es ein einziger Streuseltaler der Bäckereikette Kamps bei rund 288 Gramm auf satte 1.210 Kalorien – 480 Kalorien und 15 Gramm gesättigte Fettsäuren mehr als ein Big Mac mit Pommes. Das ist die Hälfte des Kalorien-Tagesbedarfs. Auch ansonsten sind die Gebäcke in Kalorienbereichen, die man eher bei Torten vermuten würde: Schokodonuts sind mit 280 Kalorien „Leichtgewichte“, die getestete Rosinenschnecke mit 690 und das Nusskipferl mit 666 Kalorien dagegen überraschend „schwer“.
Was Eat Smarter jedoch erschreckender fand, war, dass die Bäckerteilchen oftmals auch extrem hohe Anteile der ungesunden Transfette enthielten. Diese stehen bei Ernährungswissenschaftlern im Verdacht, ungesundes Cholesterin und Krankheiten wie Diabetes zu fördern. So brachte es ein Apfel-Zimt-Ring im Test auf über zwölf Gramm an ungesunden Transfettsäuren bei nur 130 Gramm Gesamtgewicht. Fachleute legen die Grenze der täglichen Aufnahme von Transfettsäuren auf zwei Gramm fest. In Dänemark und Schweden sind bei industriellen Speisefetten maximal zwei Prozent Transfettsäuren erlaubt. Bei rund zwei Drittel aller Proben fand Eat Smarter Überschreitungen. So enthält mein geliebtes Puddingteilchen nicht nur 415 Kalorien, sondern auch noch 1,5 Gramm Transfettsäuren. Dabei hatte ich diese Fette bislang eher Pommes und Chips zugeordnet.
Die Studienautorin endet mit der Überlegung, ihren Kindern vielleicht nicht mehr zu raten, nach der Schule lieber zum Bäcker zu gehen als sich einen Burger bei McDonalds zu holen. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Verzichten? Vermutlich siegt bei mir die Bequemlichkeit und die Hoffnung: bei meinem Bäcker ist alles anders!
Foto: Klaus Nahr auf Flickr
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5. Oktober 2010
Wobei man die meisten Backwaren-Verkaufsstellen auch nicht mehr Bäcker nennen sollte. In den allermeisten Fällen werden nur industriell vorgefertigte Teile von BÄKO und Co. schnell gebräunt oder gleich Fertigware über den Tresen geschoben. Das hat mit dem Handwerk Bäcker nichts mehr zu tun.
Allerdings gehen auch viele alte Bäckereien mittlerweile diesen verhängsvollen Irrweg. Statt selbst Hand anzulegen, werden fertige Teigmischungen angerührt oder tiefgefrorene Teiglinge verarbeitet. Dadurch sind solche Bäckereien keinen Deut besser als die FastFood-Backwaren-Verkaufsstellen, nur teurer.